Rossflue - Im wilden Entlebuch

Da ich (Guido) nun wieder in Fahrt komme werden nun auch wieder heftigere Touren geklettert. Tara schlug die Rossflue an der Gebirgskette Giswiler Stöcke unweit Sörenberg vor. Ich war schon immer einwenig skeptisch und packte zusätzliche Friends und Keile sowie Material zum ergänzen von evtl. Lotterständen ein. Die Wand sieht auf den Fotos stellenweise brüchig aus. Auch die grosse Steinrisi am Wandfuss lässt Böses erahnen. Welch Kontrast auch im Beschrieb der Kletterei vom SAC Kletterführer Zentralschweizer Voralpen von Urs Lötscher aus dem Jahr 1995 und dem neuen SAC Kletterführer aus dem Jahr 2013. Nun wird plötzlich von festem, teilweise scharfen Kalkfels und modern abgesicherten Kletterrouten geschrieben. Tja, dann dürfte es ja so schlimm nicht stehen!

Immer noch skeptisch nach dem weglosen Zustieg steige ich in die erste Seillänge von Rosskur ein. Los geht es bereits mit heiklem Aufsteher bis schon nur der ersten Haken geklippt ist. Die Kletterambitionen in der seltsamen Linie werden jäh zunichte gemacht. Ich kapituliere früh im on-sight. Greife zu Cliff und Schlinge um die schwere und mit weiten Hakenabständen gespickte Länge hinter mich zu bringen. Anstelle netter 6b Kletterei gibt es heikle Klettermoves im 7a+ Gelände. Oben an der Felslippe kurz vor dem Grasband winken auch schon die ersten losen Steine. Die letzte 10 Meter hohe Verschneidung wird gleich rechts durch die Schafweide umgangen. Ein guter Start ist anders! So gehen wir nun den Bumipfeiler an und können uns zumindest auf den ersten 2 Seillängen versöhnen. Topfels und gute Absicherung. Die Bewertung ist eher streng. Aber geht. Aber das war's dann auch schon! Seillänge 3 geht schon ordentlich alpin zur Sache mit einem wackligen Ausstieg auf den Pfeilerturm. Die Schwierigkeiten sind nicht sehr hoch, jedoch ein 10 Meter Run-out in eher brüchigem Gelände muss beherrscht werden. Die 4.Seillänge ist mit 6a+ im Führer angegeben mit dem Vermerk splittrig. So greift man hier gleich lieber in die Expressen um das doch wenig erfreuliche Gelände hinter sich zu bringen. Frei diese Passage zu klettern benötigt einiges an Putzaktion und auch Engagement die Züge konsequent durchzuziehen, denn man steht sehr schlecht auf den Füssen in dem leicht schmiereligen Fels.
Oben in der selben Länge, dann wieder versöhnliche Züge! Topfels und luftige Kletterei nach rechts an einer grossen Schuppe mit Unter - und Seitgriffen. Weiter am Stand nachsichern und die 5.Seillänge zwingend nur bis zum Irniger Abseilstand klettern. Oder bis auf's Geröllband und mit mobilen Sicherungsmittel einen Standplatz bauen. Ca. 15m. Vom Irniger Stand ist die letzte Möglichkeit abzuseilen!!! Am besten wird die Tour hier abgebrochen auf Grund der Fortsetzung in nun heftig brüchigem ungeputztem Gelände. Der obere Teil weist wohl nur sehr wenige Begehungen auf. Keine Spuren und keine neueren Haken, nur jene der Sanierung von 1991. Der Routenverlauf muss selber gesucht werden und ist nicht immer offensichtlich. Das Topo stimmt jedoch gut. Von den verbleibenden 120 Metern sind deren 90 Meter brüchig und schlecht gesichert. So wird am Ende der 5. Seillänge das Entlebucher Wildheuer Brevet erstanden mit einem schrägen Run-out ins vertikale Gras. Die 6. Länge ist zu Beginn ein anstrengender Körperkamin. Dieser ist noch in Ordnung zu klettern auch dank der vielen Haken. Aber danach geht es in die gebänderte Ausstiegswand. Nach zwei grossen Griffausbrüchen waren wir wirklich erleichtert die Tour ohne Unfall geschafft zu haben. Das Smily im Führer für die Absicherung nahmen wir schon als Aufmunterung die Tour mit einem Lächeln im Gesicht zu absolvieren. Auf dem Gipfel weicht dann die Erleichterung. Jedoch war der Schock vom Steinhagel noch in den Knochen.

Ein richtig derbe Kletterroute welche wirklich nur Kletternden mit solider alpiner Erfahrung vorenthalten ist! Die letzen Längen sind wirklich gefährlich. Wir wünschten uns hätten wir eine Kletterroute wie im Kletterführer beschrieben vorgefunden. So entschieden wir uns für den Fussabstieg via Furgge zurück zum Einstieg. Ca. 45 min. Das Abseilen über die Routen Arnold oder Rosskur wird nicht empfohlen! Unklarer Zustand der Abseilstände. Gefahr von Steinschlag durch abziehen des Seils über die Geröllbänder.

Das Entlebuch entpuppt sich als eine der wildesten Kletterregionen der Schweiz. Nach dem Königspfeiler diesen Frühling, hat die Rossflue dieses Atribut um Weiten bestätigt. Solche Touren zwischen Wildheuen, Eiger Nordwandfeeling, Oldschool UIAA 7, damals war die Skala gegen oben geschlossen und 7(6b) Stand für die Maximalketterschwierigkeit, hinterlassen ein unvergessliches Erlebnis. Dank dem hohen Kletterniveau und dem gewohnten Umgang in heiklem Gelände brillierten wir mit einem der wenigen Durchstiege. Ob Klettern, Fluchen, Jassen, Schnupfen im Entlebuch gibt es derbe Kost, und vieles bleibt urtümlich. Nur der Kletterführer gehört angepasst! um die Route für Wiederholer so zu beschreiben wie sie auch effektiv ist.

Empfehlung Bumipfeiler Integral 6b (6a+ oblig)
16 Expressen
3-4 Bandschlingen
0.25 -0.75 Camelot
2x60m Seil
Helm ja nicht vergessen!
Am besten bis zum Irniger Stand nach Hälfte Seillänge 5 klettern und danach über die Route abseilen.
Geniesser Variante nur die ersten zwei Seillängen klettern und abseilen. Bester Fels, super Absicherung 6b (5c oblig.)
Für den Gesamtdurchstieg sind gute Kletterkenntnisse in jeglichem Gelände notwendig.
Viel Glück!

Nach so viel Lesestoff, hier für die Augen.

AccessFoto von Guido Ammon (1)Rosskur first pitch should be 6b is more 7a+Foto von Guido Ammon (3)Foto von Guido Ammon (4)Airy beautiful climb in lenght 2 5bcBrittel rock on lenght 4Entlebucher WIldheuer BrevetEntlebucher Wildheuer BrevetThe chimney in the 6th pitch 6a+Foto von Guido Ammon (12)Foto von Guido Ammon (14)Foto von Guido Ammon (15)Foto von Guido Ammon (16)Foto von Guido Ammon (17)