Chuchigraben near Oberdorf/Solothurn 22.12.07

Der Eisfall im Chuchigraben bei Oberdorf, Solothurn ist der längste im Jura. Eisklettern kann man zwar nur nach einer ordentlich lange anhaltenden Kälteperiode, so wie es jetzt der Fall ist und war! Die Bedingungen waren von sehr gut bis aaarrrrrrrrr…!! Die verschiedenen Aufschwünge von bis zu 28 Metern (80 Grad), haben es zum Teil in sich und sind eine ernste Sache. Das Eis ist dünn und das Wasser fliesst recht stark. In der Mitte stieg ich aus, da der obere Abschnitt unpassierbar war. Aber schön war es!
Der Artikel und die Facts zum Chuchigraben.
 
Astronauten wollen fliegen. Zum Mond, zum Mars, einfach weg von der blauen Kugel. Die Rückkehr ist dabei der technisch schwierigste Teil der Mission.
Zurück zu steigen ist auch beim Klettern schwieriger, beim Eisklettern ein wenig leichter, wenn sich nicht der ganze Eisfall verabschiedet hat. Wie ein Astronaut mit zu wenig Sauerstoff, schwebt man den nächsten Eisvorhang hoch. Ja nicht zu fest atmen, sonst ist es aus mit Weihnachten feiern. Nebenan rinnt das Wasser wie verrückt, unterspült mein Eis, das nur noch über mir eine sichere Verbindung hat. Es ist als wären die Marstypen die einzige Hoffnung noch Sauerstoff zu bekommen. Unterhalb verabschiedet sich mit lautem Getöse der letzte Streifen Eis, der durch eine kleine Wasserbrunst hinweggefegt wurde. Nachdem das nächste Flachstück erreicht ist, verspürt man das Adrenalin… zehntausend Baschis grölen, "Wenn das Gott wüsste!" Als ich den Chuchigrabeneisfall das erste Mal begangen habe, war ich noch keine 19. Seitdem war ich
noch dreimal dort. Jedes Mal wurde um mich herum alles zur Nebensache. Wie die kleiner werdende Erde vom Raumschiff aus gesehen, wollte ich einfach hoch bis zu oberst, was mir bis dato aufgrund der schlechten Verhältnisse noch nie gelang.
Astronauten wollen nur fliegen und werden dabei Helden. Auch wenn ich kein Held werde, will ich immer wieder den Chuchigraben beklettern, bis auch endlich die letzte Seillänge geschafft ist!! Zurück kann ich nicht mehr!
 
Facts:
Startpunkt: Chuchigraben, dann zuerst dem Weg folgen, welcher neben dem Bachlauf angelegt ist. Kurz nach der ersten Holzbrücke den Weg verlassen und dem Bachlauf folgen. Kurz darauf folgen die ersten Steilstufen.
Länge total: 1km mit vielen Absätzen von bis zu 28 Metern und 80°
Schwierigkeit: WI 4+ (je nach Verhältnissen viel schwieriger und diese sind selten gut) Zum Teil Mixedpassagen!
Absicherung: Standplätze an Bäumen oder an Bohrhaken. Zwischensicherungen mit Eisschrauben fast unmöglich, da das Eis zu dünn ist. Der Fels ist zu kompakt für alternative Sicherungsmöglichkeiten, lässt jedoch einige wenige Friends zu. Grösse 1 und 4. Seil 2x40 Meter für einen evtl. Rückzug nötig. Alte Steigeisen vorteilhaft, da viel Gehgelände zu bewältigen ist mit Fels und Kies.

Naturschutz: Der Eisfall befindet sich in einer Naturschutzzone! Keine Gruppen, keine Abseilaktionen von oben vornehmen sowie Erkundungstouren abseits der angelegten Wanderwege! Bitte nur eine Begehung von unten vornehmen, wenn die Verhältnisse gut sind! Äusserste Zurückhaltung ist bei diesem einmaligen, längsten Eisfall im gesamten Jura angebracht, damit Mensch, Natur und der Eisklettersport nebeneinander Platz finden. Eine Missachtung des Betretungsverbotes während des Zeitraumes Dezember-Januar wird nur solange toleriert, wie jeder Rücksicht nimmt auf die Natur und die Ruhe und Ordnung im Chuchigraben respektiert.

The path to the beginning of the longest icefall in the JuraAfter the first steps in the iceDSC_0022ch3