Russo hat sich innert kurzer Zeit zu einem der Top-Spots für jedermann im Tessin entwickelt. Neben den Kletterzentren wie Avegno, Ponte Brolla und Arcegno, die rund um Locarno liegen, zählt das, im wundeschönen Val Onsernone gelegene Klettergebiet, zu einem aufstrebenden und immer grössere Beachtung erhaltenden Klettergebiet. Noch vor wenigen Jahren wurde der Süden des Tessins immer wieder mit den einfachen Plattenklettereien verbunden. Man erinnere sich an die ersten Begehungen in Ponte Brolla, ausgeführt um 1980 vom Solothurner Kletterurgestein Martin Brunner an der Pinocchio Platte und dem Rovine del Castelliere. (...)
1990 gefolgt von Hans Müller aus Reichenbach im Kandertal, der beinahe im Alleingang die systematische Erschliessungswelle der Platten einläutete. Die Tessiner Kletterer trieben während dieser Zeit die Erschliessung vorallem in den Gebiete Arcegno und Avegno voran. Russo,das erst ab 2002 hauptsächlich von den Luganeser Kletterern Claudio Notari, Marco Pagani und Glauco Cugini erschlossen wurde, war zu diesem Zeitpunkt noch jungfräulich. Auch einige Jahre nach der Erschliessung blieb das Klettergebiet eher unbekannt. Erst mit der Erstveröffentlichung im Schweizer Alpen Club Führer "Ticino e Moesano", herausgegeben von Glauco Cugini im Jahr 2005, begann das Klettergebiet auch über die Grenzen des Tessins hinweg Besucher anzuziehen. Nun wurde endlich ein Klettergebiet gefunden, das die Palette vervollständigte! Die wunderschönen Risse und Piazklettereien sind innert Kürze bekannt geworden und werden von den plattengeplagten Kletterern als wunderbare Abwechslung empfunden. Auch für die extremen Kletterer gibt es mehr als nur eine Handvoll lohnender Routen. Die Erschliessung ist noch nicht abgeschlossen und so sind auch in letzter Zeit weitere neue Kletterrouten hinzugekommen. Die Hoffnung besteht, dass die idyllische Ruhe beim Klettern anhalten mag, sowie noch weitere schöne Routen in nächster Zeit eröffnet werden, da Russo mit seinen 50 Routen der kleinste der vier oben erwähnten Klettergebiete ist. Mehr als die Hälfte der Routen ist schwerer als 6b und bietet somit den Kletterern, die in den unteren Schwierigkeitsgraden klettern eher wenig Terrain. Als lohnende Abwechslung im Tessin gehört Russo nun schon wegen dem wild romantischen Osernonetal zum Pflichtprogramm. Bei der Anfahrt über die enge Strasse sollte ebenso Vorsicht geboten werden wie beim Klettern selbst.
Wie es nun mit der Erschliessung von neuen Klettergärten weitergeht, wird spannend zu beobachten sein. Sicher ist nur, dass es Gebiete von einer Grösse wie Arcegno oder Ponte Brolla mit ihrer Anhäufung von leichten Routen kaum mehr zu entdecken gibt. Schon eher werden im Tessin noch weitere Klettergärten wie Prato oder Someo gefunden.
Freuen wir uns also auf noch weitere Perlen, die die Zukunft bringt! Und freuen wir uns doppelt auf Gebiete wie Russo, die alles in einem Klettergebiet vereinen. Ob leicht oder schwer, kurz oder lang wird dann wieder Nebensache. Einfach Klettern an der Sonne! Wiedersehen im schönen Kletterparadies Tessin!
by Guido Ammon
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