Man stelle sich vor man lebt in einem Land wo das Geld nicht reicht zum Klettern gehen, da die Klettergebiete ziemlich weit weg sind. Noch erschwerender ist, dass die Esswaren mit der hohen Inflation immer teurer werden und auch die Wohnung muss mit mehreren Mitbewohnern geteilt werden da man sich diese mit dem kleinen Lohn sonst gar nicht leisten könnte. Es ist Russland und so reicht der Rubel schlussendlich kaum zum trainieren! Aber wenn mal trainiert wird dann lassen es die Russen krachen! Die Kletterhalle wird zum temporären zuhause. Hier die russische Trainingsmethode welche seinen Ursprung im Geldmangel hat.(...)
Das Training benötigt viel Zeit, und da man ja schliesslich für den Eintritt bezahlt hat will man nun auch soviel klettern wie möglich. Am interessantesten war es zu sehen während einem Boulderplausch wo es 50 Boulder innerhalb einer Woche zu klettern gab. Wenn man müde wird, etwa nach der Hälfte der 50 Boulder, wird eine Pause von circa zwei Stunden gemacht. Danach wird versucht die verbleibenden Boulder noch zu toppen.
Erfahrungsgemäss, ich habe mich einem Selbsttest unterzogen, gab ich nach der Pause nach 2 oder 3 erreichten Tops, nach mehreren Versuchen versteht sich, völlig entkräftet auf. Der Selbsttest sollte mir die Antwort liefern ob diese Trainingsform hilft das Kletterniveau weiter zu steigern. Wer Fortschritte machen will und sein Kletterniveau heben möchte, für den ist diese Trainingsform eine Möglichkeit. Jedoch birgt diese ein grosses Risiko für Verletzungen und Übertraining. Trainingsneulinge sollten diese Trainingsart nicht anwenden. Zudem müssen längere Regenerationszeiten eingeplant werden, und die Kletterleistung wird extremen Leistungsschwankungen unterworfen sein.
Der Russe geht dreimal im Monat in die Kletterhalle für total 30 Franken, und spart sich bei dieser Trainingsart 3 zusätzliche Trainings. Er macht in etwa die gleichen Fortschritte wie der Schweizer, natürlich mit einem hohen Lohngehalt und beinahe gleichen Nahrungsmittel-und Mietkosten, welcher sechsmal die Plastikgriffe reissen geht und 120 Franken für die Kletterhalle springen lässt.
Für mich persönlich war es sehr interessant zu sehen wie man unter schwierigen Umständen ebenso viel Spass hat und ebenso hart trainiert. Der grösste Unterschied ist das die Kletterer einen viel kräftigeren Kletterstil haben und auch das Kletterniveau bedeutend höher ist. Ich freue mich bald wieder in St.Petersburg bouldern zu gehen. Und wenn es dort kalt wird dann soll man ganz toll Eisklettern können. Viktor im 15. Stock hängt jeweils seinen Gartenschlauch zum Fenster raus:-)
by Guido Ammon
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