Eisklettern - Eine Lebenseinstellung!

Wer Eisklettern kennt der weiss genau - dieser Sport ist anders. Ganz anders. Und so fragt man sich manchmal warum klettern wir im Eis. Und anders als im Sommer wenn wir die Zunge gerne ans Eis halten ist dies im Winter dringendst abzuraten. Im Winter ist das Eis kalt, zuweilen nass. So ist der Kampf gegen das gefrorene Seil nur eine der Qualen, die andere ist das Tiefkühlgefühl sofern man nicht gerade schweissüberströmt sich in einer Seillänge abquält. Eisklettern ist eine sehr cleane Form des Bergsteigens so braucht es gute Vorsteigermoral! Stürze in Schrauben gehören immer noch wie zu alten Schlaghakenzeiten tunlichst zu unterlassen. Die Seilhandhabung und die Manöver ähneln eher groben Alpinunternehmungen. Und ja es gibt die Gefahren. Was einem da nicht alles auf den Helm knallt! Ein erzwungener Selbstversuch ohne Helm zu klettern endete jäh!

Die Suche nach neuen Eisspuren hat gerade die letzten zwanzig Jahre ihre grossartigste Blütezeit durchlaufen. Und heute sehen wir das nur noch einzelne Probleme unbezwungen sind. Es war wunderschön zu sehen wo wir alles geklettert haben und nach uns die Erstbegehung geschah! Wir kugeln uns vor Lachen wenn wir lesen dass der Schmadribachfall noch nie begangen war, und dies anno 2000. Unmöglich! Eine solche Kaskade! So gibt es unzählige Eisfälle welche bereits vor uns geklettert wurden, jedoch nie veröffentlicht wurden und nur einer Handvoll Eiskletterfreaks über deren Existenz wussten. Es gab sie die Momente wo wir oben am Ausstieg in den Schnee geseicht haben und gewettet haben dass hier noch niemand war! Jaja. Spätestens irgendwo wo man runterkommen muss sieht man dann menschliche Spuren. Seilreste oder Stände. Super, wir kommen schneller runter aber sind wieder nicht die ersten! Eisklettern ist auch immer eine Reise in die Ungewissheit da die Verhältnisse das Eis immer wieder neu und anders Ausbilden. So schwanken die Schwierigkeiten zum Teil extrem. Der Schwierigkeitsgrad von Eisfällen kann je nach Route und Beschaffenheit des Eises um zwei Grade schwanken. Eisklettern ist urtümlich geblieben.
Und so kommen wir nun zu dem Punkt wo die Eiskletterer sich von den normalen Kletternden unterscheiden. Um ihrem Sport zu frönen, gerade bei solchen Verhältnissen wie diesem Winter, werden Gesetze gebrochen, es gehen gute Vorsätze flöten und auch Schmerzen oder Arbeitsjobverlust ist alles kein Problem. Denn wir wissen, wer heute nicht pickelt dem schmilzt das Eis davon.Eiskletterer denken sowieso nur an das eine die kühle Glasur. Wie blondes Haar wellt sich der Eisfall ins Tal herunter. Es ist dieses Gefühl Eisklettern! Eisklettern ist das Grösste!

Nachfolgend einige Kurzgeschichten:

1. Fontannental: Nach grossartiger Kletterei endete die Geschichte im Bschüttabfluss vom Baurnhof.

2. Schmadribachfall: Unsere zweite Begehung diesmal in einer Linie rechts neben dem Hauptfall. Aufgrund der starken Schneefälle der Vorwoche investierten wir den gesamten Samstag um uns den Zustieg zum Teil freizuschaufeln! Wir verzichteten auf einen Zustieg mit Skiern. Am Sonntag ging es dann zügig zum Einstieg und die Linie war eine der berauschendsten in jenem schneereichen Winter.

3. Pickel vergessen: Wie sehr vor allem Guido an seinen Woodpeckern hängt wissen wir. Dass er sie dennoch einmal vergass ist noch heute ein unglaublicher Vorfall. So steckten die Pickel ins Stirnholz eingeschlagen einen ganzen Tag im Frutigtal. Zum Glück war der Eisfall unbekannt und in der Zimmerei noch keine grossen Aufträge abzuarbeiten. Von hier stammen auch die Fotos.

4. Adelboden: Immer wieder Adelboden, gute Eisfälle, guter Ausgang! So kam es das der Ausgang bis früh morgens dauerte. Der Alkohol floss auch mehr als uns lieb war und so sahen wir uns irgendwo in stark senkrechtem Gelände kapitulieren. Ausser einem neuen soliden Standplatz, notabene von Oben eingebohrt nach dem wir die restalkoholtaugliche Aufsteigsvariante zwischen den Bäumen absolvierten. Die Säule haben wir zu unserer Schande nie mehr probiert – es lag aber nicht am Getränk!

5. Snargs: Wer kennt sie noch die guten alten Snargs! Als mittellose Jungspunde kamen uns einige Exemplare günstig in die Hände. Die neuen Black Diamond ChromNickelMolybdän Schrauben gab es noch nicht erst zwei Jahre später. Sie kosteten den stolzen Preis von 100 Franken. Ein guter lediger Arbeitender Kollege kaufte sich ein ganzes Set. Voller Freude stieg ich vor und drehte wie der Örgelimah die neuen bissigen Schrauben ins Eis. Was für ein Luxus! Ich bemerkte nicht wie mir die Schrauben ausgingen, nach einem weiten Abstand rettete ich mich mit zwei Snargs ins flachere Gelände. Stand an zwei Snargs war für mich keine Seltenheit, da die guten Schrauben immer im steilen Gelände verbaut wurden. Doch mein Kollege fand den Stand nicht lustig. Es war die letzte Eistour mit mir.

6. Eis gut: Anno 1997 war es üblich die lokalen Bergführer anzurufen um Infos zu gewissen Eisfällen zu erhalten. So auch um die Verhältnisse zu erfragen. Vor allem eine Geschichte ist mit geblieben: Abends Anruf an Tresch in Göschenen. Der Fall ist gut. Morgens kurz nach acht aus dem Zug ausgestiegen um auch gleich mit dem nächsten wieder nach Hause zu fahren. Ein brutaler Föhnsturm hat binnen Stunden das Eisgebilde kollabieren lassen.

7. Kaputt aber immer noch nicht kaputt genug: „Eine geit no ging!“ Nach 14 Tagen Power Eisklettern im Berner Oberland waren wir zwei gotterbärmliche Gestalten. Müde, aber glücklich, so hatte der Besitzer der Pension erbarmen und riet uns zum nachhause gehen. Kaum hatten wir die Nase an der frischen Luft, kletterten wir schon wieder.

by Guido

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