Reports

Klettertraining mit Hindernissen

Man stelle sich vor man lebt in einem Land wo das Geld nicht reicht zum Klettern gehen, da die Klettergebiete ziemlich weit weg sind. Noch erschwerender ist, dass die Esswaren mit der hohen Inflation immer teurer werden und auch die Wohnung muss mit mehreren Mitbewohnern geteilt werden da man sich diese mit dem kleinen Lohn sonst gar nicht leisten könnte. Es ist Russland und so reicht der Rubel schlussendlich kaum zum trainieren! Aber wenn mal trainiert wird dann lassen es die Russen krachen! Die Kletterhalle wird zum temporären zuhause. Hier die russische Trainingsmethode welche seinen Ursprung im Geldmangel hat.(...)

Das Training benötigt viel Zeit, und da man ja schliesslich für den Eintritt bezahlt hat will man nun auch soviel klettern wie möglich. Am interessantesten war es zu sehen während einem Boulderplausch wo es 50 Boulder innerhalb einer Woche zu klettern gab. Wenn man müde wird, etwa nach der Hälfte der 50 Boulder, wird eine Pause von circa zwei Stunden gemacht. Danach wird versucht die verbleibenden Boulder noch zu toppen.
Erfahrungsgemäss, ich habe mich einem Selbsttest unterzogen, gab ich nach der Pause nach 2 oder 3 erreichten Tops, nach mehreren Versuchen versteht sich, völlig entkräftet auf. Der Selbsttest sollte mir die Antwort liefern ob diese Trainingsform hilft das Kletterniveau weiter zu steigern. Wer Fortschritte machen will und sein Kletterniveau heben möchte, für den ist diese Trainingsform eine Möglichkeit. Jedoch birgt diese ein grosses Risiko für Verletzungen und Übertraining. Trainingsneulinge sollten diese Trainingsart nicht anwenden. Zudem müssen längere Regenerationszeiten eingeplant werden, und die Kletterleistung wird extremen Leistungsschwankungen unterworfen sein.

Der Russe geht dreimal im Monat in die Kletterhalle für total 30 Franken, und spart sich bei dieser Trainingsart 3 zusätzliche Trainings. Er macht in etwa die gleichen Fortschritte wie der Schweizer, natürlich mit einem hohen Lohngehalt und beinahe gleichen Nahrungsmittel-und Mietkosten, welcher sechsmal die Plastikgriffe reissen geht und 120 Franken für die Kletterhalle springen lässt.

Für mich persönlich war es sehr interessant zu sehen wie man unter schwierigen Umständen ebenso viel Spass hat und ebenso hart trainiert. Der grösste Unterschied ist das die Kletterer einen viel kräftigeren Kletterstil haben und auch das Kletterniveau bedeutend höher ist. Ich freue mich bald wieder in St.Petersburg bouldern zu gehen. Und wenn es dort kalt wird dann soll man ganz toll Eisklettern können. Viktor im 15. Stock hängt jeweils seinen Gartenschlauch zum Fenster raus:-)

by Guido Ammon

Regiocup Sumiswald 2008

Der lange ersehnte Tag ist endlich gekommen um ins tiefe Emmental zu reisen. Schnell waren die, je nach Kategorie 2 oder 3 Routen geklettert, und alle waren erfreut über die geringe Wartezeit. Auch die Finals, dachte man, würden ebenso flott über die Bühne gehen. Leider machte man hier die Rechnung ohne die sehr starke Kinder Kategorie, wo gleich 5 Athleten die Finalroute Top kletterten, so dass es zu einem Superfinale kam. Da die Jugend und Elite Kategorien nicht genau wussten, wann der Start der Finals sein würde, war ans in die Badi gehen nicht zu denken. (…)Somit getraute sich auch niemand einen River Rafting Gutschein als Preisgeld zu nehmen, da man dafür doch mindestens schwimmen können sollte. Und so harrten wir der Dinge, die da auf uns zukamen. Die Route wurde schon vor der offiziellen Besichtigung genauestens eingeprägt. Ich hoffe bis zum nächsten Wettkampf werden die grünen oder roten Griffe das Gedächtnis wieder verlassen haben. Die üble Sache mit den Exen wurde auch sein gelassen, doch wussten viel nicht was Isolation bedeutet.
Also: Wenn man einen Eskimo in sein Iglu setzt ist dieser isoliert, gegen aussen und den garstigen Wind und die extreme Kälte. Bei Iglus gibt es keine Tür, so wie es bei der Isolation im Forum auch keine gibt. Die Isolation ist eine Wand, wo man sich dahinter zu befinden hat und Dritte keinen Zutritt haben. Ausser mit Badtüchern getarnt, und so wurde es einigen Jungs deftig heiss, als da in Badtücher eingehüllte schöne Frauenbeine zu sehen waren. Leider zog sich, wie erwartet, der Nachmittag brutal in die Länge.
Da hätte man mit small talk die Zeit totschlagen können. Hier fehlten absolument quelques participants et visiteurs du Jura. Selbst um nur ein bisschen la belle Sprache das fronsösisch avec eux zu sprechen und dem Wettkampf einwenig internationalen Touch zu geben. Die Routen und gewisse Kletterer haben internationales Niveau. Daher kann man sich vorstellen, dass ab nächstem Jahr in den Finalrouten Krawattenzwang gilt. Es war wieder lustig wi nä more!

Zur Fotogallerie hier

by Guido Ammon

Speed Ittigen und Swiss Climbing Night 2008


Mit Sandro wurde eine Person (...) gewählt, welche viele Stunden mit uns (Mättu, Guido, Sämi) trainiert hat und auch in die Kletterferien (Finale, Calanque, Bleau, Osp) verreist ist. Seine sehr kräftige Art ermöglichte es ihm immer schnell und konsequent durchzuziehen, wenn man eben an einem Griff richtig rupfen musste. Schnell konnte er die Kletterzüge lesen, verstehen und somit  schwierige Passagen effizient durchsteigen. So erreichte er im Jahr 2000, kurz nachdem er mit dem Klettern begonnen hat, rasch unser Kletterniveau. Einige Jahre später absolvierte er die Jugend + Sport Leiterausbildungen und erlangte somit die Fachausweise um seine Erfahrung und Begeisterung für den Klettersport den Nachwuchstalenten des Regiokaders Bern Mittelland-Oberland weiterzugeben, die er fortan im Magnet in Niederwangen betreut. Die Verbundenheit zu den Jungathleten lässt er immer wieder spüren, wenn er von diesen erzählt. Die Anforderungen an die Athleten kennt er ganz genau und kann diese somit gezielt auf ihre bevorstehenden Wettkämpfe und Ziele hin trainieren und vorbereiten. Sandro ist somit ein grosser Wert und eine wichtige Stütze für die jungen Athleten im Klettersport.

Sandro liebt nach wie vor das Trainieren im privaten Boulderraum von Anna Tina Schultz, wo er immer wieder harte Boulder zaubert. So verwundert es dann kaum, wenn er so zum Spass an einem Regiocup mitmacht und diesen auch gewinnt. Auch dam Fels klettert er immer wieder gern. Sandro bevorzugt stotziges und den Jura meidet er. Neben dem Klettern läuft auch sonst immer etwas und ein Drink oder eine Gelati gehört meistens dazu. Neben dem Klettern zählen zu seinen sportlichen Lieblingstätigkeiten das Snowboarden.

Wir gratulieren (Mättu, Guido, Sämi, Angelo) zu dieser Nomination und eis ga zie chöimer de nächer no.

Zeit der Dürre 7c - Hintisberg

Das Klettergebiet an der Burg ist unter den Sportkletterern als Hintisberg bekannt. Die Ausrichtung nach Süden mit der Kulisse Eiger, Mönch und Jungfrau, der steile, stark horizontal gebänderte Kalkfels, machen aus dem Hintisberg eines der schönsten gelegenen Kletterziele im Berner Oberland. (...) Die perfekt abgesicherten Routen sind vorallem in den mittleren Schwierigkeitsgraden zahlreich vorhanden. Neben den Routen in den unteren und mittleren Schwierigkeitsgraden gibt es auch Routen im oberen 7. Franzosengrad. Die wohl bekannteste dieser Routen ist Zeit der Dürre 7c, die 1991 durch Hanspeter Sigrist und Daniel Anker eingerichtet wurde. Da diese Tour eine gelobte "Fünfsterntour" ist, wollten Martin und ich diese Route nun einmal klettern. Wegen Nässe der ersten beiden Seillängen entschieden wir uns, in der linken Route (Schwierigkeit und Name ist uns nicht bekannt) einzusteigen. Die erste Seillänge war grandios: 50 m lang, senkrecht und hatte wunderbare Griffe und Strukturen. Ebenfalls die letzten beiden Seillängen der Zeit der Dürre liessen unsere Kletterherzen höher schlagen. Wer einmal auf über 100 Meter Höhe ein vier Meter langes Dach mit "Henkeln" klettern will, sollte unbedingt die letzte 7b Seillänge klettern. Nach einem luftigen Abseilen erreichten wir überaus begeistert den festen Boden und genossen die warmen Sonnenstrahlen. Die Zeit der Dürre 7c verdient die 5 Sterne voll und ganz!

by Matthias Ruh

Hier zu den Fotos

Gondo - Das Yosemite des Oberwallis

Gondo ist ein kleines Dorf auf der Südseite des Simplonpasses. Im Jahr 2000 wurde es durch ein verheerendes Unwetter stark zerstört. Vom Dorfplatz erblickt man die eindrückliche, die Szene beherrschende Wand. Die 350 Meter hohe Felsbastion, die „La Sentinella" oder auch „Rudewand" genannt wird, wurde noch in Artifkletterei ab 1980 erschlossen. (...) Auch heute noch steckt das Originalmaterial aus dieser heroischen Zeit in den meisten Routen. Die wenigen Routen sind somit von grosser Ernsthaftigkeit. Viele Seillängen sind selbst abzusichern. Ein detailiertes Topo ist unerlässlich, um sich in den Routen zurecht zu finden. Allesamt sind die Routen schwierig und ein Rückzug auf Grund des alten oder fehlenden Materials, kann sich als gefährliches Unterfangen erweisen. In den meisten Routen muss bis oben hinaus geklettert und der Abstieg dann durch ein Couloir zu Fuss bewältigt werden. Dies stellt selbst schon ein Abenteur dar.
Die Schönheit der Wand -es gibt zwar einige Monsterschuppen, und einzelne brüchige Stellen- ist einmalig. Daher wird auch der Vergleich mit dem Yosemite herbeigezogen. Von der einzigartigen Ambiance angetan, sind hier auch schon Plaisirgedanken aufgetaucht. Der kurze Zustieg ist dafür wahrhaftig geeignet. Jürg von Känel und Thomas Zwahlen sanierten die Route Le Rondini Sanguinarie und schenkten somit vielen Granitfreunden die Gelegenheit, eine der vohandenen Routen in einem absehbaren Risikorahmen zu klettern. Sie weist regelmässige Bohrhaken auf und auch zum Abseilen ist sie bestens eingerichtet. Während das Sonnenlicht das Tal hochsteigt und die weiteren umliegenden Wände in einen goldenen Glanz taucht, können wunderbare Riss- und Wandklettereien geklettert werden. Das Heulen der schweren Lastwagen, die über den Simplopass fahren, ist beim Klettern von einer der schönsten Granitklettereien im ganzen Alpenraum schnell vergessen. Die „Rudenwand" oberhalb von Gondo ist definitiv eine der eindrücklichsten Felswände der Schweiz.

by Guido Ammon

Zu den Fotos

Russo - Top-Spot im Tessin

Russo hat sich innert kurzer Zeit zu einem der Top-Spots für jedermann im Tessin entwickelt. Neben den Kletterzentren wie Avegno, Ponte Brolla und Arcegno, die rund um Locarno liegen, zählt das, im wundeschönen Val Onsernone gelegene Klettergebiet, zu einem aufstrebenden und immer grössere Beachtung erhaltenden Klettergebiet. Noch vor wenigen Jahren wurde der Süden des Tessins immer wieder mit den einfachen Plattenklettereien verbunden. Man erinnere sich an die ersten Begehungen in Ponte Brolla, ausgeführt um 1980 vom Solothurner Kletterurgestein Martin Brunner an der Pinocchio Platte und dem Rovine del Castelliere. (...)
1990 gefolgt von Hans Müller aus Reichenbach im Kandertal, der beinahe im Alleingang die systematische Erschliessungswelle der Platten einläutete. Die Tessiner Kletterer trieben während dieser Zeit die Erschliessung vorallem in den Gebiete Arcegno und Avegno voran. Russo,das erst ab 2002 hauptsächlich von den Luganeser Kletterern Claudio Notari, Marco Pagani und Glauco Cugini erschlossen wurde, war zu diesem Zeitpunkt noch jungfräulich. Auch einige Jahre nach der Erschliessung blieb das Klettergebiet eher unbekannt. Erst mit der Erstveröffentlichung im Schweizer Alpen Club Führer "Ticino e Moesano", herausgegeben von Glauco Cugini im Jahr 2005, begann das Klettergebiet auch über die Grenzen des Tessins hinweg Besucher anzuziehen. Nun wurde endlich ein Klettergebiet gefunden, das die Palette vervollständigte! Die wunderschönen Risse und Piazklettereien sind innert Kürze bekannt geworden und werden von den plattengeplagten Kletterern als wunderbare Abwechslung empfunden. Auch für die extremen Kletterer gibt es mehr als nur eine Handvoll lohnender Routen. Die Erschliessung ist noch nicht abgeschlossen und so sind auch in letzter Zeit weitere neue Kletterrouten hinzugekommen. Die Hoffnung besteht, dass die idyllische Ruhe beim Klettern anhalten mag, sowie noch weitere schöne Routen in nächster Zeit eröffnet werden, da Russo mit seinen 50 Routen der kleinste der vier oben erwähnten Klettergebiete ist. Mehr als die Hälfte der Routen ist schwerer als 6b und bietet somit den Kletterern, die in den unteren Schwierigkeitsgraden klettern eher wenig Terrain. Als lohnende Abwechslung im Tessin gehört Russo nun schon wegen dem wild romantischen Osernonetal zum Pflichtprogramm. Bei der Anfahrt über die enge Strasse sollte ebenso Vorsicht geboten werden wie beim Klettern selbst.
Wie es nun mit der Erschliessung von neuen Klettergärten weitergeht, wird spannend zu beobachten sein. Sicher ist nur, dass es Gebiete von einer Grösse wie Arcegno oder Ponte Brolla mit ihrer Anhäufung von leichten Routen kaum mehr zu entdecken gibt. Schon eher werden im Tessin noch weitere Klettergärten wie Prato oder Someo gefunden.
Freuen wir uns also auf noch weitere Perlen, die die Zukunft bringt! Und freuen wir uns doppelt auf Gebiete wie Russo, die alles in einem Klettergebiet vereinen. Ob leicht oder schwer, kurz oder lang wird dann wieder Nebensache. Einfach Klettern an der Sonne! Wiedersehen im schönen Kletterparadies Tessin!

by Guido Ammon

Vorgezogener Sommertag im Wallis oder fröhliches Body-Grillen in Sion

Was könnte eine aus dem wunderschönen Bündnerland dazu bewegen, die weite Reise ins Wallis anzutreten, sich stundenlang bei strahlend schönem Wetter mit angekündigten Temperaturen bis 20°C in den Zug zu setzen? Nun, der Motivationen gab es da gleich mehrere: der Open-Air-Swiss Cup im Bouldern, wofür die Briger Organsiatoren die Wettkampfwände im Innenhof ihres ehrwürdigen Schlosses Stockalperhof aufbauten, versprach auch für mich als Zuschauerin ein unterhaltsames Spektakel bei besten Wetterbedingungen zu werden. Hinzu kam die auf der Wettkampfausschreibung versprochene Party mit Live-Band, was den Walliser Meinungen zufolge unmöglich ein schlechter Abend werden konnte. Ja und war die durch den Lötschbergtunnel doch schon angenehm verkürzte Reise (Zürich-Brig „nur" noch 2h11min!) dann einmal vollbracht, konnte man das Wallis ja gleich mal klettertechnisch etwas genauer unter die Lupe nehmen – ganz ohne Jury-Aufsicht und Wettkampfambiente, dafür aber mit viel Genuss und Sonnenschein.
Und dann war da noch die Neugier auf jenes mir doch recht unbekannte Bergvolk der Walliser, jenen seltsamen Dialekt und der angeblich sagenhaften Geselligkeit, welche zu entdecken nun endlich die Gelegenheit gekommen zu sein schien.....

Aber alles der Reihe nach: Am Anfang stand ein durchwegs gelungener Wettkampf, gut organisiert und zügig durchgeführt. Eine interessante Neuigkeit waren die im selbigen Tal produzierten Steingriffen, welche sich durchaus bewährten. Die Schlosshofatmosphäre (oder vielleicht einfach die Neugier der Briger Gemeinde?) lockte Publikum in aussergewöhnlich hohen Zahlen an und erwies sich als bestens geeigneten Austragungsort. Brannte die Sonne doch zeitweilig ziemlich gnadenlos auf die Wettkämpfer, das Publikum und die zahlreichen Helfer nieder, so konnten die Finalrunden doch bei sehr guten Bedinungen und an spannenden Boulderproblemen durchgeführt werden. Die leidenschaftliche Unterstützung von Bündner Seiten, welchen den Wettkämpfern aus dem Publikum entgegenkam, wurde anfangs von der scheinbar unwissenden Lokalbevölkerung zwar mit viel unverständlichem Kopfschütteln abgetan. Doch die Völkerverständigung kam von Mal zu Mal, wo sich die motivierten Jungs und Mädels an ihren Boulders versuchten, besser zu laufen. Es gewannen schliesslich Nina Caprez vor Alexandra Eyer und Tabea Schwab (Damen Elite) sowie Cédric Lachat vor Remo Sommer und Mättl Müller (Herren Elite, gesamte Rangliste hier)

Kaum die Rangverkündigung über die Bühne gebracht, wurde eben jene auch schon von der Heimband „Ds Personal" in Besitz genommen; der weniger schweisstreibende Teil des Abends hatte begonnen. Hatte sie sich tagsüber vor allem im grünen Schlosspark sehen lassen, so interessierte sich die Briger Jugend nun plötzlich doch auch fürs Geschehen in „ihrem" Schlosshof und mischte sich zahlreich unter die Wettkämpfer und deren Fan- und Betreuergemeinschaft. Gab es anfangs vielleicht noch das eine oder andere Verständigungsproblem (Walliser-Diitsch, Bündner-Dialekt, Züri-Schnorrä, Bäääärnerä sowie Romandie-Französisch!!), so lösten sich diese mit dem regen Getränkeausschank zunehmends in Luft auf. Nachdem die Bar alles verkauft hatte, was es auszuschenken gegeben hatte, kehrte langsam Ruhe in die ehrwürdigen Mauern des Stockalperhofs ein. Die Motivierten machten sich auf Richtung Briger Barbetrieb, die anderen verkrochen sich in ihre Ecken, um eine kurze Nachtruhe anzutreten.

Überraschenderweise pünktlich kurz vor 9:00 (und vor allem vollzählig!) trafen wir uns am Sonntagmorgen am Bahnhof wieder: Mättu, Guido, Sämu, Ramona, Karin sowie meine noch zünftig verschlafene Wenigkeit. Die kurze Zugfahrt nach Sion wurde nochmals für ein Nickerchen genutzt, bevor uns dort der glücklicherweise recht bescheidene Zustieg zum Klettergarten erwartete: vom Bahnhof immer in Richtung des nicht zu übersehenden Schloss Tourbillons laufen, an dessen südöstlichem Fuss sich die teilweise überhängende Kletterwand befindet.
Die Temperaturen stiegen unweigerlich an und erreichten ihre Höchstwerte zweifellos während den paar Stunden, in welchen wir uns an den schönen und zum Teil sehr langen Routen versuchten. Zwar merkte man ihnen ihre zahlreichen Begehungen durchaus schon an, was sie aber nicht wirklich abwertetete: für jeden Schwierigkeitsgrad und fast jeden Steilheitsgeschmack gabs etwas zu klettern, ständig unter den wachsamen Augen der nur einen Steinwurf entfernten Sioner Anwohnerschaft. Eine kurze Glacé-Pause, bevor die letzten Angriffe bei bereits etwas erträglicheren Temperaturen (aber eben auch schon mit recht leeren Unterarmen...) geklettert werden konnten. Schliesslich hatten sich alle ausgetobt und zur Genüge von der Sonne verbraten lassen, so dass uns nur noch der erfrischende Sprung in die (zugegeben: eiskalte!) Rhone übrig blieb – auch das unter unverständlichen (französischen) Zurufen des Sioner Publikums, welches sich auf der nahen Brücke versammelt hatte und unsere Waschaktion ungläubig beobachtete...

Mit einem weiteren Glacé an der Hand traten wir die lange Heimreise an – herrlich müde und mit dem guten Gefühl, das eigentümliche Walliser Volk, oder doch zumindest seine Kletterkultur, etwas näher kennengelernt zu haben!

Hier zu den Fotos

by Cathrin Caprez

Murgtal - April 2008

Zu Dritt fuhren wir am letzten Samstagabend in Richtung Walensee, um am nächsten Tag an den Blöcken des Murgtals zu bouldern. Bei einer wunderschönen Vollmondnacht kochten wir uns noch Spaghetti und assen Salatblätter ohne Salatsauce. (...)
Motiviert brachen wir gegen Mittag auf und mussten dann bald bemerken, dass die Strasse bis hinauf zum See wegen "Lawinengefahr" noch geschlossen war.
Das bedeutete, die 4 km zu den Blöcken zu Fuss zurückzulegen. Für uns, als wanderbegeisterte Boulderer, war das natürlich kein Problem. Wir erachteten n es eher als ein angenehmes Warm-up. Mit nassen Füssen, -der Sektor See stand noch unter einer halben Meter dicken Schneeschicht,- machten wir uns an die von "Menschenameisen" belagerten Felsbrocken. Die Blöcke im Sektor See haben eine rotgraue Farbe und die schwereren Probleme befinden sich meist im Schatten, was für warme Sommertage ideal ist. Gegen Abend versuchten wir im Sektor Steibrächer noch einige Boulders zu bewältigen, die sich in einem Dschungel ähnlichen Wald befanden.

Hier zu den Fotos

Neu! Klettern auf dem Balmberg

Das Klettergebiet Balmberg ist unweit Solothurn auf der ersten Jurakette gelegen.
Bereits vor dem Jahrtausendwechsel wurden dort die zwei ersten Routen eröffnet.
Die schönen, in Vergessenheit geratenen Kreationen wurden 2000 und 2007 durch weitere ebenso lohnende Klettereien im Bereich 5b-7a ergänzt.
Bei neuen Routen ist die Neugier immer gross, herauszufinden, welche die schönsten sind. Mit Hilfe des Topos sollte dies jedoch eine Leichtigkeit sein, da dieses mit einer Sternchenbewertung versehen wurde. Die Terrassenwand ist wirklich ein Bijou und besteht aus perfektem Fels. Die restlichen Routen verlaufen in gutem Gestein, doch sollte die Kletterlinie nicht zu weit nach links oder rechts verlassen werden, da hie und da lose Steine liegen.
Zwei schöne Zweiseillängentouren können ganz besonders empfohlen werden. Silence 5c und Even better day 6a+. Eine lohnende Alternative zu den bekannten Klettergebieten in der Region im Herbst zudem oft über dem Hochnebel.

Das komplette Topo sowie weitere Infos gibt es hier.

Material:
1x 50m Seil
10 Expressen
Abseilutensilien

Zugang:
Von der Passhöhe dem Wanderweg am Seilpark vorbei bis auf eine leichte Anhöhe folgen. Hier wendet sich der Weg auf die Nordseite und verschwindet kurz darauf im Wald. Den Wanderweg hier, durch eine markante Geländemulde die leicht aufsteigt, nach rechts verlassen. Kurz vor dem Wald vermittelt die Viehsperre den beginn des Pfades, der dem Jurakamm im Wald folgt. Die Wegspuren sind gut sichtbar. Nach gut 400 Metern bei den ersten kleinen Felsköpfen steil im 35 Grad Winkel zu der ersten Kletterroute absteigen.
Ab Parkplatz Passhöhe oder Bushaltestelle Oberbalmberg beträgt der Zustieg etwa 20 min.

Anekdoten rund um Balsthal - Jura Bericht 2008

Jetzt ist wieder die Jahreszeit, in der der gestresste Autofahrer im Stau bei Oensingen die Felsen der Region besonders gut beobachten kann, denn die Bäume
tragen noch kein Laub und die Wände gucken daher ganz besonders neckisch aus dem Wald hervor. Dieser Anblick treibt einer speziellen Spezies von Menschen
seit Anfang der achtziger Jahre den Schweiss aus den Händen. Im Winter 1982/83 richteten Hanspi Siegrist und Pesche Wüthrich den neuen Klettergarten in
Balsthal-Klus ein.(…)
Und auch im Alten Klettergarten glänzten an den ersten Frühlingstagen neue Bohrhaken. Die Kunde von anspruchsvollen Kletterrouten an (fast) südfranzösichem Fels wurde dank den Zeitschriften „Die Alpen" und „Boulder" ins ganze Schweizerländle hinausgetragen. Und so war es damals immer ganz schön spannend, wer da anzutreffen war, im neuen Mekka der Kletterer. Französische Wortfetzen wechselten sich mit breitem Berndeutsch, Hochdeutsch wurde vernommen, urchige Solothurner Töne waren zu hören, Züri Tütsch und Baasler Brocken… Ja, eines war klar, Balsthal war damals nicht nur geografisch der Mittelpunkt von Bern, Zürich und Basel. Bekannte Gesichter wie Martin Scheel oder Jürg von Känel waren regelmässig anzutreffen. Mit der Route „Imaginäre Grösse„ hat sich Martin sogar in die Liste der Erstbegeher eingetragen (und mit der Bewertung etwas gegeizt). Und auch Kim Carrigan hat ein paar Jahre später seine Spuren mit der Route „Schick mir einen Engel" hinterlassen. Aber war da nicht noch etwas anderes mit Martin Scheel? Genau, er hat auch die legendäre Route „Welle" eingerichtet. Lange galt sie als das letzte grosse Projekt und wurde demzufolge oft versucht, bis Hanspi sie schliesslich 1985 klettern konnte und mit dem Grad 8a+/8b bewertete. Solche Zahlen lockten damals die besten Kletterer wie Motten das Licht an. Pesche und Heinz Gut holten sich bald die weitere Begehungen (die Reihenfolge ist zufällig gewählt). Der Ruf der Route wurde auch im nördlichen Teil des Jura vernommen und so stand eines Tages Wenzel Vodicka am Einstieg derselben. Er konnte sie in kürzester Zeit wiederholen. Etwas später stattete er der Brückenwand an der Holzflue einen Besuch ab und onsightete die Route „Die Flöhe husten hören".
Nach diesem Tag war er völlig happy, aber nicht in erster Linie wegen diesem Erfolg, sondern weil er so begeistert war von den glatten Wänden unterhalb der Brücke! Die Zeit um dort Routen einzubohren hat er sich nicht genommen und so sind diese Felsen auch heute noch jungfräulich.

Neben der Welle hat Hanspi mitte der 80-er Jahre noch eine weitere schwere Route im Thal erstbegangen, den „Jokerman" an der Leenflue. Eine fantastische Linie in
bestem Fels, 40 m lang, technisch und moralisch anspruchsvoll mit einem Ausdauerteil am Schluss (heute ist die Route saniert und weist 5 Bohrhaken mehr
auf). Auch diese Route wurde von Wenzel in kurzer Zeit wiederholt. Angesprochen auf die Bewertung, hat er für die „Welle" wie für den „Jokerman" in seinem
undeutlichen tschechischen Akzent etwas von 7c gemurmelt. Auch Markus von Burg, der die Route später ebenfalls kletterte, hat in dieselbe Bresche gehauen und den „Jokerman" degradiert. Über das „Warum" kann nur gerätselt werden. Sicher, Wenzel war mit einer Körpergrösse von über 1,90 m nicht im Nachteil, doch wollte
man vielleicht auch den Bernern eins auswischen…?! Wie dem auch sei, bei beiden Routen lohnt sich ein Besuch auch heute noch.
Ein Besuch lohnt sich auch sonst im Thal. Denn neben den erwähnten Gebieten sind
in den letzten Jahren zahlreiche weitere lohnende Klettermöglichkeiten entstanden. Waren es damals die schweren Routen, die die Kletterer anzogen, so ist es heute die Vielzahl der Routen in den mittleren Graden. Gerade für auswärtige Kletterer bietet sich das Thal an, einige Tage zu verweilen um die verschiedenen Felsen kennen zu lernen Die Geschichte der Kletterregion Balsthal ist auch im Jahr 2008 noch nicht zu Ende geschrieben. Es gibt noch einige unberührte Felsen, noch zahlreiche offene Projekte und noch unzählige Anekdoten die in Zukunft darüber geschrieben werden.

by : Roland Moor

Hier einige der Toprouten im Thal aus der Zeit von 1984-1990:

Imaginäre Grösse/Neuer Klettergarten, 7a 1988 Martin Scheel
Alea jacta est/ Alter Klettergarten, 7b+ 1985 Martin Scheel
Die Flöhe husten hören/ Holzflue, 7b+ 1988 Thomas von Burg
Send me an angel/ Neuer Klettergarten, 7b+ 1989 Kim Carrigan
Never trust a smiling cat/ Neuer Klettergarten, 7b+ 1984 Hanspi Sigrist
Jokerman/Leenflue, 7c 1990 Hanspi Sigrist
Luftibus/ Westpfeiler, 7c 1984 Hanspi Sigrist
Plaisir obligé/ Fernsehturm, 8a 1989 Roli Moor
Die Welle/ Neuer Klettergarten, 8a 1985 Hanspi Sigrist